Frühmorgens liegt der Hafen des Segel-Clubs Bodman noch still. Über den Schilfgürteln ziehen Haubentaucher ihre Bahnen, im flachen Wasser hinterlassen Biber ihre Spuren und die ersten Sonnenstrahlen spiegeln sich auf dem Bodensee. Wenig später werden Segel gesetzt, Jollen zu Wasser gelassen und Regattacrews bereiten sich auf ihren Tag vor. Dass sich hier Natur und Wassersport denselben Lebensraum teilen, ist keine Selbstverständlichkeit – sondern eine Verantwortung.

Genau dieser Verantwortung widmete sich der Umwelttag 2026 des Segel-Clubs Bodman. Unter dem Motto „Im Spannungsfeld zwischen Biber und Yacht“ zeigte der Verein eindrucksvoll, dass moderner Segelsport und konsequenter Umwelt- und Naturschutz nicht im Widerspruch stehen, sondern sich gegenseitig ergänzen.

Der besondere Charakter des Clubs liegt in seiner außergewöhnlichen Lage. Das Vereinsgelände befindet sich mitten im Naturschutzgebiet Hangen – einem ökologisch wertvollen Gebiet mit Schilfzonen, Flachwasserbereichen, Feuchtwiesen und mehreren Biberfamilien. Gleichzeitig gehört der Bereich zu einem europäischen Vogelschutzgebiet und grenzt an einen der größten Trinkwasserspeicher Europas. Mehr als 300 Vogelarten finden am Bodensee Lebensraum oder Rastplatz. Wer hier segelt, bewegt sich nicht nur in einem der schönsten Reviere Deutschlands, sondern auch in einem besonders sensiblen Ökosystem.

Entsprechend begrüßte die stellvertretende Vorsitzende Sonja Hildebrand die zahlreichen Mitglieder und Gäste mit einer klaren Botschaft: Segeln bedeutet nicht nur Freude am Wassersport, sondern auch Verantwortung für den See und seine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt.

Durch den Nachmittag führten Umweltbeauftragter Klaus Gohl gemeinsam mit Eduard Matthes und Takelwart Alf Müller. Unterstützt wurden sie von Simon Muser von der DLRG Bodman, der anschaulich den Einsatz eines Defibrillators erklärte und damit den Sicherheitsaspekt des Umwelttages ergänzte.

Statt erhobener Zeigefinger standen praktische Lösungen im Mittelpunkt. Immer wieder wurde deutlich, dass nachhaltiger Wassersport bei den kleinen Entscheidungen beginnt. Wie reinigt man ein Boot möglichst umweltschonend? Welche Produkte gehören auf eine Bordtoilette? Wie verhindert man, dass invasive Arten wie die Quagga-Muschel von einem Gewässer ins nächste gelangen? Welche Alternativen gibt es zu schadstoffhaltigen Antifouling-Anstrichen? Und welche Möglichkeiten bietet der klimafreundlichere Kraftstoff HVO100 für die Sportschifffahrt?

Viele dieser Fragen beschäftigen heute nicht nur Seglerinnen und Segler, sondern alle, denen die Zukunft des Bodensees am Herzen liegt. Denn der See ist weit mehr als ein Freizeitrevier: Er versorgt Millionen Menschen mit Trinkwasser, bietet unzähligen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und ist zugleich einer der bedeutendsten Erholungsräume Mitteleuropas.

Neben den Umweltaspekten spielte auch die Sicherheit auf dem Wasser eine wichtige Rolle. Von der sicheren Verladung von Sportbooten über den vorbeugenden Brandschutz an Bord bis hin zur Demonstration der Wiederbelebung mit einem Defibrillator vermittelte der Umwelttag Wissen, das weit über den Vereinsalltag hinaus Bedeutung hat.

Im Mittelpunkt standen unter anderem folgende Themen:

  • Schutz von Natur-, Vogel- und Gewässerschutzgebieten am Bodensee
  • Umweltgerechte Pflege und Reinigung von Sportbooten
  • Fachgerechte Entsorgung von Abfällen und Gefahrstoffen
  • Reduzierung von Schadstoffeinträgen durch moderne Antifouling-Konzepte
  • Einsatz des klimafreundlicheren Dieselkraftstoffs HVO100
  • Vermeidung der Ausbreitung invasiver Tier- und Pflanzenarten
  • Sicheres Betanken von Booten
  • Brandschutz an Bord
  • Sichere Verladung und Festmachen von Sportbooten
  • Praktische Vorführung der Defibrillator-Anwendung durch die DLRG

Dass der Segel-Club Bodman diese Themen nicht nur vermittelt, sondern seit vielen Jahren konsequent umsetzt, wurde wenige Tage zuvor eindrucksvoll bestätigt. Bereits am 3. Juli stellten sich die Verantwortlichen dem turnusmäßigen Vollaudit der Wassersportvereinigung Bodensee zur Wiedererlangung der Umweltzertifizierung „Blauer Anker“. Diese umfassende Prüfung findet alle drei Jahre statt und bewertet unter anderem Umweltmanagement, Sicherheitsstandards und nachhaltige Vereinsführung.

Die Vorbereitung des Audits sowie die Begleitung der beiden Auditoren lagen in den Händen von Umweltbeauftragtem Klaus Gohl. Das Ergebnis spricht für sich: Der Segel-Club Bodman bestand die Prüfung ohne jegliche Einschränkungen. Seitdem weht die Flagge des Blauen Ankers erneut über dem Clubgelände – als sichtbares Zeichen dafür, dass Umweltverantwortung hier nicht nur auf dem Papier steht, sondern täglich gelebt wird.

Der Umwelttag machte damit deutlich, dass Naturschutz nicht erst dort beginnt, wo Verzicht gefordert wird. Er beginnt dort, wo Menschen bereit sind, ihr Wissen zu teilen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Zwischen Biber und Yacht hat der Segel-Club Bodman gezeigt, dass genau dieses Miteinander möglich ist – und dass die Zukunft des Bodensees von vielen kleinen, bewussten Entscheidungen abhängt.