Ein voller Erfolg wurde die erste Frauen Far-Niente des SCBo.

Am Samstag Morgen, 29. Juni 2019 trafen sich 15 Frauen am runden Tisch vor dem Clubhaus des SCBo zur Steuermannsbesprechung. Geplant war die Ausfahrt mit 5 Booten nach Dingelsdorf. Ein lautes Geschnatter war über den halben Steg zu hören, so dass die zurückgebliebenen Männer einen Tisch weiter Zuflucht suchten. “Männer-Selbsthilfegruppe” frotzelten die Seglerinnen mit lautem Gelächter. Gegen 11.00 Uhr verteilten sich die froh gelaunten Frauen auf die 5 Boote – bestehend aus der Froeken 34, Hallberg Rassy 26,  Inferno 29, Olsen 31, Vindö 32 –  und machten sie segelklar.

Auf den ersten Metern herrschte noch Flaute, doch dann steigerte sich die Brise auf bis zu 14 Knoten Wind. Trotz zahlreicher starker Böjen ließen sich manche Seglerinnen nicht davon abhalten mit vollem Tuch zu fahren. Geschwindigkeiten bis zu 7 Knoten waren keine Seltenheit.

Nach einer kurzen Badepause liefen die Yachten nach und nach im Hafen von Dingelsdorf ein. Hafenmeister Hans Grundler empfing jede Crew herzlich, wies die Plätze zu und vergewisserte sich, dass die Damen auch alles richtig machen….er traute uns wohl nicht so ganz…und war über die Professionalität aller Seglerinnen überrascht. Wir schmunzelten natürlich in uns hinein. Nachdem wir komplett waren und uns untereinander begrüßt hatten, sprangen alle zuerst zur Abkühlung ins Wasser.

Um 17.00 Uhr wartete der Sektempfang im Clubhaus der Segelvereinigung Dingelsdorf auf uns. Liebevoll hatte die gute Seele Rosita Grundler schon alles vorbereitet. Häppchen in Segelbootform aus Radieschen, Käse und Basilikumblättchen, Käsewürfel, Oliven, Obst und Knabbereien. Man wusste gar nicht wohin man den Blick auf dem maritim gedeckten Tisch wenden sollte.

Dann sammelten wir uns schon wieder zu einem Fußmarsch von ca. 15 Minuten. Wir waren neugierig, doch wir erhielten nur den Hinweis, dass es Essen wie in der Steinzeit geben würde. Na das kann ja heiter werden.

Am Waldrand Richtung Dingelsdorf angekommen, empfing uns Herbert Gieß vom Verein “Freunde und Förderer der Pfahlbau-Ausstellung Dingelsdorf e.V.” auf einer Wiese. Seit seiner Kindheit sammelt Herbert Gieß am Bodenseeufer Funde aus längst vergangenen Zeiten.

Zunächst entführte er uns in die Welt der Bienen. Ausstaffiert mit Schutzanzügen (wir fühlten uns wie Aliens und bewunderten uns gegenseitig mit großem Gelächter) führte uns Herbert zu den herkömmlichen Bienenstöcken und einem nachgebauten wie in der Steinzeit, als sich noch alles in einem hohlen Baumstamm abspielte. Wie konnte man Bienenvölker bewirtschaften, damit ein höchstmöglicher Ertrag an Bienenwachs, Honig, Propolis, Pollen und Brut gewonnen werden konnte? Ein erstaunliches Phänomen bei den Bienen ist ihre Fähigkeit miteinander zu kommunizieren. “Suchbienen” machen sich auf die Suche nach Futter und kehren zurück, um mit einem Tanz auf den Waben zu kommunizieren wo die Futterquelle liegt. Wir durften die Waben und verschiedene Stadien der einzelnen Stufen bewundern,  bevor wir uns nass geschwitzt wieder aus den Schutzanzügen schälten.

Das Lagerfeuer loderte bereits, als wir in die Wildkräuterkunde eingeführt wurden. Es wurde gerochen, geraten und besonders viele Arten wurden von unserem Mitglied Margret Köllemann erkannt. Mit nachgebildeten Steinwerkzeugen durften wir die Zutaten für unser Menü schnippeln. Auf der Feuerstelle köchelte es in einem großen Tontopf. Linsen, Graupen, Karotten, Zwiebel, Pilze und vieles mehr sollte uns wenig später einen leckeren Eintopf mit Wildkräutern bescheren. Der Tontopf wich den Rehrückenstücken, 2 Tage zuvor in Honig, Senf und Olivenöl eingelegt und  aufgespießt mit geschnitztem Fichtenholz. Herbert Grieß, auch Jäger, verfügt über einen reichhaltigen Wissensschatz und hat uns mit seinen Aha-Erlebnissen in seinen Bann gezogen.

Serviert in Tonschalen mit Holzlöffeln und dekoriert mit einem gegrillten Rehrückenspieß genossen wir das außergewöhnliche Mahl. Das Dessert aus selbst geschlagenem Joghurt, gesammelten Waldbeeren und echten Wabenstückchen rundete das Steinzeitessen ab. Die Begeisterung war uns an den Augen abzulesen.

Trotz der tropischen Temperaturen wurde es am Waldrand kühl und wir wärmten uns am Lagerfeuer, bevor wir in der Dunkelheit wieder in den Hafen zurückwanderten. Auf dem ein oder anderen Boot gab es noch einen Absacker und nach und nach verschwanden alle in ihren Kojen.

Am nächsten Morgen trafen wir uns zum gemeinsamen Frühstück im Dingelsdorfer Clubhaus. Wie konnte es anders sein: liebevoll eingedeckt, erwartete uns eine reichhaltige Stärkung mit vielen verschiedenen Leckereien.

Nach einem Fotoshooting mit Bildern der einzelnen Crews und der gesamten Truppe verstreuten sich die Seglerinnen in alle Richtungen – zurück in den Heimathafen oder weiter auf Törn gehend.

Es war ein tolles Erlebnis, nicht nur das gemeinsame Segeln und die experimentelle Archäologie, sondern auch das nähere Kennenlernen anderer Vereinsmitglieder.

Ein ganz großer Dank geht von der gesamten Gruppe der Frauen Far-Niente an die Organisatorinnen Karin Schimpf und Inge Müller.